Interviewserie
09Jan

Teil 3: Haarausfall - Behandlung & Therapie

Dritter Teil der Interviewserie mit dem Hautarzt Dr. Thomas Schulz aus Rottweil zum Thema "Haarausfall".

Dr. Schulz - Hautarzt in Rottweil

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Dr. med. Thomas Schulz

Hautarzt in Rottweil

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Wie Haarausfall behandelt werden kann

Wer von Haarausfall betroffen ist, sollte zunächst eine fachärztliche Diagnose stellen lassen, um die Ursache und die Art des übermäßigen Haarverlustes zu ergründen. Denn nur auf dieser Grundlage ist es möglich eine geeignete und vor allem wirkungsvolle Therapie gegen Haarausfall zu finden. Doch welche Behandlungsmöglichkeiten und Therapien gibt es überhaupt? Welche Mittel sind wirkungsvoll und welche nicht?

In unserem dritten Teil der Themenwochen “Haarausfall” hat der in Rottweil praktizierende Hautarzt Dr. med. Thomas Schulz genau diese Fragen beantwortet. Von ihm erfahren Sie, welche Wirkstoffe bei welchem Typ von Haarausfall eingesetzt werden können und welche wirklich hilfreich sind.

Kann man jede Art von Haarausfall behandeln?

Ja, jede Art von Haarausfall kann behandelt werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist jedoch die exakte Diagnose des Haarausfall-Typs und damit der zugrunde liegenden Ursache. Die Behandlung selbst ist sehr verschieden und hängt vom Typ des Haarausfalls ab. 

Was bringen Mittel wie z.B. Shampoos gegen Haarausfall die man im Drogeriemarkt oder in der Apotheke erwerben kann?

Shampoos als so genannte „rinse-off“-Produkte sind weit weniger wirksam als die Werbung für diese Mittel verspricht. Die „Wirkstoffe“ kommen mit der Kopfhaut nur in kurzen Kontakt, sind sehr niedrig dosiert und können nicht bis tief in den Haarschaft und die Haarwurzel vordringen. Das begrenzt deren Wirkung erheblich, unabhängig davon welcher Wirkstoff enthalten ist. 

Gibt es ein Mittel, das gegen jede Art von Haarausfall hilft?

Nein. Die Behandlung des Haarausfalls ist immer abhängig vom jeweiligen Typ und ändert sich entsprechend. 

Kann man selbst etwas gegen Haarausfall tun?

Generell kann es als Vorbeugung hilfreich sein, eine gewisse Balance im Leben zu erreichen, sich gesund zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben und unguten Stress zu vermeiden - denn mittlerweile ist bekannt, dass auch Stress zu Haarausfall führen kann. Hilfreich können auch Nahrungsergänzungsmittel, wie etwa Biotin (Vitamin H), Zink und Selen, sein.  

Hilft es die Kopfhaut regelmäßig mit Olivenöl zu massieren?

Die Massage der Kopfhaut als durchblutungsfördernde Maßnahme kann durchaus hilfreich sein. Ob mit Olivenöl oder anderen Ölen - oder auch ohne Öl - spielt jedoch keine Rolle.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei erblich bedingtem Haarausfall?

Man muss beim erblich bedingten Haarausfall prinzipiell zwischen der Behandlung von Frauen und Männern unterscheiden.

Für Männer gibt es zwei wirksame Möglichkeiten der Therapie: Zum einen die lokale Anwendung von Minoxidil auf der Kopfhaut. Minoxidil ist eigentlich ein Blutdruckmittel, welches lokal auf der Kopfhaut als Lösung angewandt, die Durchblutung verbessern soll. Es können sich neue Haare bilden, die allerdings nur dann erhalten bleiben wenn das Mittel regelmäßig angewandt wird. Nach Absetzen fallen die Haare langsam wieder aus.

Zum anderen ist als wirksames Mittel der Wirkstoff Finasterid zu nennen, der als Tablette eingenommen wird und den Einfluss des männlichen Hormons auf die Haarwurzeln bremst. Die Wirkung des Testosterons auf die Haarwurzeln ist ein entscheidender Faktor für den erblich bedingten Haarausfall beim Mann und der Frau. Finasterid darf bei Frauen im gebärfähigen Alter allerdings nicht angewandt werden.

Es besteht also eine therapeutische Lücke was den Einsatz von Finasterid bei Frauen anbelangt: von der Pubertät bis zu den Wechseljahren (Klimakterium). Bei der Diagnose „Erblich bedingter Haarausfall der Frau“ bleiben deshalb nicht viele Möglichkeiten der Therapie.

Eine Methode stellt aber die „Meso-Therapie“ dar. Hierbei werden mit einem speziellen Meso-Injektor ganz oberflächliche Injektionen in die Kopfhaut vorgenommen, mit sogenannten Haar-Cocktails, die alle wesentlichen Wirkstoffe gegen Haarausfall enthalten, einschließlich spezieller Haar-Wachstumsfaktoren. Die Behandlung sollte als Kur von mindestens 3 Monaten, mit ca. 8-10 Sitzungen, durchgeführt werden.

Eine neue Therapie ist die sogenannte AC-Therapie. AC steht für „Alopezia contentionalis“, den sogenannten Spannungs-Haarausfall. Stress kann bei entsprechend veranlagten Patienten zu erhöhter Kopfhaut-Spannung führen und diese wiederum die Durchblutungsverhältnisse in der Kopfhaut so verschlechtern, dass die Haarwurzeln darauf reagieren und Haarausfall resultiert.

Die Spannung der Kopfhaut wird vor der Therapie gemessen. Bei Vorliegen von entsprechenden Spannungsbeschwerden wird das Muskelentspannungsmittel „Botulinum“ in die Kopfhautmuskeln injiziert. Die Entspannungswirkung hält ca. 4-6 Monate an und kann den Haarausfall und die Spannungsbeschwerden deutlich reduzieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei kreisrundem Haarausfall?

Beim kreisrunden Haarausfall führen lokalisierte Entzündungsherde in der Kopfhaut zum Haarausfall. Auslöser sind in aller Regel stresshafte Zustände.

Es gibt zwei wirksame Therapien: Zum einen die lokale Applikation von Cortison als Lösung, Creme oder als Injektionen in die Kopfhaut. Zum anderen die Auslösung eines Kontaktekzems am Ort des kreisrunden Haarausfalls an der Kopfhaut, welches bewirkt, dass die Entzündungszellen des Körpers im Bereich der haarfreien Zone von den Entzündungszellen des künstlich geschaffenen Ekzems quasi „vertrieben“ werden. Diese Behandlung muss regelmäßig einmal wöchentlich durchgeführt werden und kann sich über 2-6 Monate erstrecken.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei diffusem Haarausfall?

Hier kommt es sehr auf die auslösende Ursache des diffusen Haarausfalls an. Bei Eisenmangel sollten Eisentabletten genommen werden, bei einer Schilddrüsenunterfunktion sollten die Schilddrüsenhormone substituiert werden. Hilfreich können Nahrungsergänzungsmittel wie Biotin, Zink und Selen sein. Häufig werden östrogenhaltige Haarwasser bei hormonellen Dysbalancen verordnet. Auch östrogenhaltige Hormonpräparate (spezielle Anti-Baby-Pillen) kommen zum Einsatz.

Wenn Entzündungen der Kopfhaut, wie z.B. bei der Schuppenflechte mit Rötung und Schuppung zum diffusen Haarausfall führen, sollten diese entzündungshemmend, etwa mit Cortison-haltigen Lösungen, Shampoos oder Cremes behandelt werden. Wenn es sich um ein sogenanntes seborrhoisches Ekzem der Kopfhaut handelt, sind Shampoos mit Wirkstoffen gegen Pilze therapeutisch sinnvoll.

Kann man selbst überprüfen, ob die Haare nach einer längeren Zeit des Haarausfalls wieder nachwachsen?

Wenn die Haarausfallrate unter 100 Haaren im Durchschnitt von 7 Tagen gefallen ist, dann kann man davon ausgehen, dass die Haare wieder nachwachsen. Beim sogenannten „ Ziep-Test“ - d.h. wenn man mit leichtem Zug mit den Händen durch die Haare fährt - gehen keine oder nur noch wenige Haare aus.

Für eine objektive Beurteilung kann der Dermatologe mit einem speziellen Gerät (Trichoscan) die Haardichte und die Zahl der Haare in der Wachstumsphase bestimmen. Allerdings müssen dazu an einer Stelle die Haare rasiert werden. Die Untersuchung wird zweimal im Abstand von 4 Wochen durchgeführt, um ein valides Ergebnis zu erhalten.

Weitere Teile dieser Serie:

Teil 3: Haarausfall - Behandlung & Therapie

Dritter Teil der Interviewserie mit dem Hautarzt Dr. Thomas Schulz...

Teil 2: Ursachen von Haarausfall

Zweiter Teil der Interviewserie mit dem Hautarzt Dr. Thomas Schulz...

Teil 1: Haarausfall - Wieso fallen Haare aus?

Erster Teil der Interviewserie mit dem Hautarzt Dr. Thomas Schulz aus...

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