Experteninterviews
16Jul

Faltenbehandlung mit Filler - Jünger aussehen ohne Operation

Interview mit dem Experten für Faltenbehandlung Dr. Martin Zoppelt

Aktiv gegen unschöne Falten vorzugehen ist schon längst kein gesellschaftliches Tabu mehr. Lange Zeit galten operative Eingriffe wie Faceliftings oder Lidstraffungen als effektivste Methode für ein straffes Gesicht. Heute erfreuen sich Faltenbehandlungen ohne Skalpell zunehmender Beliebtheit. Sie gelten als sanftere und risikoärmere Alternative. Neben Botox, wird die Behandlung mit Filler schon seit Jahren mit Erfolg angewandt. Doch auch wenn es sich um keinen chirurgischen Eingriff handelt, sollte man sich auch hier genau über den verwendeten Wirkstoff und den behandelnden Arzt informieren.

Als Facharzt für Dermatologie zählt Dr. med. Martin Zoppelt zu den Experten mit langjähriger, praktischer Erfahrung im Bereich der Faltenbehandlung. In der Freiburger Praxis „KosMedics” bietet er unter anderem die Faltenunterspritzung mit Filler an. In einem persönlichen Interview beantwortet Dr. Zoppelt häufig gestellte Patientenfragen zu dieser beliebten Behandlungsmethode.

Herr Dr. Zoppelt, was sind so genannte „Filler”, die zur Faltenbehandlung eingesetzt werden?

Die für die Faltenbehandlung verwendeten Filler sind gelartige Materialien, die hauptsächlich aus Hyaluronsäure bestehen. Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz der Haut und ist verantwortlich für ihre Spannkraft sowie Wasserbindungskapazität. Die in Fillern enthaltene Hyaluronsäure wird heutzutage biosynthetisch durch Gärung und Fermentation von Bakterien erzeugt. Als gelartige Substanz wird sie unter die Haut gespritzt, um die betreffenden Falten nach außen zu drücken. Die Haltbarkeit einer Faltenbehandlung mit Hyaluronsäure beträgt in der Regel zwischen 3 und 9 Monaten. Danach wird die Hyaluronsäure vom Körper komplett zerlegt und zu Wasser sowie Kohlendioxid abgebaut. 

Macht es hinsichtlich der Haltbarkeit einen Unterschied, an welcher Stelle die Hyaluronsäure gespritzt wird: baut sie sich in bestimmten Regionen schneller oder langsamer ab? 

Ja, es gibt durchaus Unterschiede. Das ist auch der Grund, wieso es verschiedene Hyaluronsäure-Arten gibt, bspw. für tiefe Falten, feine Falten oder zum Aufbau von Wangen. Die Hyaluronsäuren unterscheiden sich in der Vernetzung bzw. den chemischen Verbindungen. Generell kann man sagen: Je tiefer gespritzt wird, umso höher muss die Hyaluronsäure vernetzt sein, weil die Durchblutung in der tieferen Haut stärker ist und dadurch die Hyaluronsäure schneller abgebaut wird.

Verwenden Sie in Ihrer Freiburger Praxis zur Behandlung von Falten noch andere Filler-Materialien außer Hyaluronsäure?

Ja, bspw. verwende ich ein auf Kalzium basierendes Präparat („Radiesse“). Das bereits seit 2002 verwendete Material ist gerade bei tiefen Falten und zur Gesichtsmodellage geeignet. Also etwa um Wangen oder das Kinn aufzuspritzen, zur Nasenbegradigung oder bei tiefen Nasolabialfalten. 

Funktioniert das Kalzium-Präparat auch wie Hyaluronsäure, also als „Auffüller”?

Genau. Allerdings wird es in tiefere Schichten gespritzt, hält aber auch 12 bis 18 Monate. Also wesentlich länger als Hyaluronsäure.

Gibt es daneben noch andere Materialien, die Sie als Filler verwenden?

Dr. Zoppelt: Ja, es gibt noch das so genannte „Sculptra”. Dabei handelt es sich um ein Zuckerpräparat. Es wird in die Tiefe gespritzt, um das Autoimmunsystem anzuregen. Dadurch kommt es zur Neubildung von körpereigenen Collagensubstanzen (Narbencollagen), die die Falten auffüllen.

Wenn man die verschiedenen Anwendungen zur Faltenbehandlung miteinander vergleicht: welche Falten muss man mit Filler behandeln und welche mit anderen Materialien, wie etwa mit Botox? 

Botox ist für aktive Falten gedacht, d.h. diese Falten entstehen durch Muskelkontraktion. Ein bekanntes Beispiel ist die Zornesfalte. Solche Muskeln werden durch das Botulinumtoxin stillgelegt, also kurzzeitig gelähmt. Dasselbe passiert beim Lachen mit den Lachfalten. Wenn sich der so genannte „Musculus orbicularis oculi” (Augenringmuskel) zusammenzieht, dann entstehen diese Fältchen. Durch Botox zieht sich dieser Muskel nicht mehr zusammen, es bilden sich demnach auch keine Falten mehr.

Im Gegensatz dazu werden Filler bei schon bestehen, d.h. ohne Muskelkontraktion verursachte Falten, verwendet. Beispiele hierfür sind die Nasolabialfalten, Wangenfalten oder horizontale Stirnfalten. Das kann auch bei der Zornesfalte der Fall sein. Wenn diese zu tief ist, muss man eine kombinierte Faltenbehandlung mit Botox und Hyaluronsäure anwenden.

Die plastisch-ästhetische Chirurgie bietet zur Verjüngung des Gesichtes auch operative Maßnahmen wie etwa das Facelift an. Welche Vorteile hat jedoch die Faltenbehandlung mit Filler gegenüber einem derartigen Facelift?

Bei einem Facelift, wie der Name schon sagt, wird die Haut operativ „hochgezogen”. Die Haut wird mit steigendem Alter schlaffer und fängt an nach unten zu hängen, weil Fettgewebe und Muskeln im Gesicht nach und nach abbauen. Dadurch senkt sich die Wange und die Haut fällt nach unten. Es entstehen die typischen „Champagner-Bäckchen”. Irgendwann reicht es dann nicht mehr aus, diese Falten zu unterspritzen. Dann muss man den Hautüberschuss wegschneiden und das Gesicht straffen. Das funktioniert allerdings nicht bei Lippenfalten. Diese müssen mit dem Laser bearbeitet oder mit Filler unterspritzt werden.

Eine weitere Möglichkeit, das Gesicht ohne Operation zu verjüngen, ist das so genannte „Liquid Lift”. Hierbei handelt es sich um ein Lifting mit Filler. Damit können leicht erschlaffte Wangen, Nasolabialfalten und auch Lippenfalten aufgespritzt und optisch „geliftet” werden. Mit Botox kombiniert kann man auf diese Weise ein sehr gutes Resultat ohne operative Risiken erzielen. Das Gesicht sieht danach wesentlich frischer und jünger aus.

Würden Sie also eher ein nicht-operatives Verfahren zur Faltenbekämpfung empfehlen? 

Wie gesagt, bei manchen Befunden lässt sich ein operatives Facelift nicht vermeiden. Der Trend geht aber eindeutig hin zum Liquid Lift, also Unterspritzen und Aufbau mithilfe von Filler. Diese Methode ist schonender und es sind wesentlich natürlichere Resultate zu erreichen.

Welche Risiken können denn bei der Faltenbehandlung mit Filler entstehen?

Dr. Zoppelt: Die Hauptrisiken bei Fillern sind blaue Flecken, Schwellungen oder Allergien nach der Behandlung. Letztere treten jedoch extrem selten auf. Ein Facelift dagegen ist eine Operation mit deutlich höheren Risiken: Hier sind Infektionen, Lähmungen, Nervendurchschnitte oder unnatürliches Aussehen nicht auszuschließen. Hinzu kommt, dass man sich nach einem Facelift mindestens zwei Wochen freinehmen und schonen muss, was bei minimalinvasiven Behandlungen in der Regel nicht der Fall ist. So empfehle ich meinen Patienten nach dem Liquid Lift die geröteten Stellen abzudecken und zu kühlen. Nach drei oder vier Stunden kann dann wieder die Arbeit aufgenommen werden.

Im Zuge der möglichen Risiken einer Faltenbehandlung mit Filler hatten Sie auch Allergien genannt. Können allergische Reaktionen entstehen?

Da wir bei Hyaluronsäure keine tierischen Präparate verwenden, ist eine Allergie sehr, sehr selten.

Kommen wir nochmal genauer auf die Wirkungsdauer der Filler zurück: Neben den bisher genannten Fillern gibt es auch welche, die permanent halten sollen. Was denken Sie über derartige Präparate?  

Wie bereits angedeutet, gibt es sehr viele verschiedene Präparate. Im Moment sind circa 74 auf dem Markt. Und davon sind vielleicht 6 sehr gut. Allerdings werden, wie Sie sagen, auch so genannte „permanente Präparate” verwendet. Die kann ich jedoch persönlich keinesfalls empfehlen. In bis zu 30 Prozent der Fälle kommt es mit diesen Substanzen zu Nebenwirkungen, da diese nicht vom Körper abgebaut werden. Riskant ist auch, dass Probleme mit permanenten Fillern häufig erst nach 10 Jahren auftreten. Schwellungen oder gar Tumorbildungen sind nicht auszuschließen und müssen chirurgisch behandelt werden. Ich selbst verwende daher ausschließlich biologisch abbaubare Präparate mit einer dennoch langen Wirkungsdauer. Allergien oder schlimmere Nebenwirkungen sind hier extrem selten. Ich empfehle also allen, die sich einer Faltenbehandlung unterziehen möchten, sich vorab ausgiebig über die verwendeten Materialien zu informieren. Nur so kann ein zufriedenstellendes und natürlich aussehendes Ergebnis erzielt werden.

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Dr. Martin Zoppelt ist Facharzt für Dermatologie und bereits seit Jahren spezialisiert auf die Durchführung von Faltenbehandlungen in der Freiburger Praxis KosMedics.

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