Tag des Sonnenschutzes
21Jun

Warum ein Sonnenbrand unbedingt zu vermeiden ist - Und was man tun kann, wenn es doch zu spät ist

Dr. Said Hilton - Hautarzt in Düsseldorf

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Dr. med. Said Hilton

Hautarzt in Düsseldorf

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Am 21. Juni ist Tag des Sonnenschutzes – Interview mit Hautarzt Dr. Said Hilton

Anlässlich zum Tag des Sonnenschutzes am 21. Juni 2017 hat info Medizin ein Interview mit Dr. med. Said Hilton geführt. Der erfahrene Hautarzt führt die renommierte dermatologische Privatpraxis „Medical Skin Center - Dr. Hilton & Partner“ in Düsseldorf. In einem persönlichen Gespräch hat uns Dr. Hilton die wichtigsten Fragen rund um das Thema Sonnenschutz, Hautkrebs und Falten beantwortet. 

Herr Dr. Hilton, es ist bestätigt, dass ein Übermaß an UV-Strahlung die Haut langfristig schädigt. Aber immer noch gehen viele Menschen damit zu leichtfertig um. Wie schätzen Sie das gesellschaftliche Bewusstsein demgegenüber ein?

In den letzten Jahrzehnten hat sich glücklicherweise in Sachen Sonnenschutz und Hautkrebs viel getan. So wissen immer mehr Menschen, dass ein Übermaß an ultravioletter Strahlung zur Entstehung von Hautkrebs beiträgt.

Dass das Bewusstsein der Gesellschaft diesem Thema gegenüber gestiegen ist, sehen wir bspw. daran, dass immer mehr Patienten zur Hautkrebsvorsorgeuntersuchung gehen. Außerdem cremen sich immer mehr Menschen mit Sonnencreme ein. So gibt es gerade auch einen steigenden Absatz bei Sonnencremes für Kinder.

Das Bewusstsein für den Sonnenschutz hat sich besonders in den Ländern stark entwickelt, in denen häufig die Sonne scheint und viele helle Hauttypen vorhanden sind. Beispiele sind hier Australien und die USA. In diesen Ländern ist die Hautkrebsrate sehr hoch. Denn: Je heller die Haut, umso höher das Hautkrebsrisiko.

Wie hat sich denn die Anzahl an Hautkrebserkrankungen in den letzten Jahren entwickelt?

Die Hautkrebsrate hat enorm zugenommen. Aber gleichzeitig - und das ist sehr wichtig zu erwähnen - ist die Rate der Hautkrebsfälle, die geheilt werden können, ebenfalls gestiegen. Grund dafür sind die Vorsorgemaßnahmen und Aufklärungskampagnen. Es werden also heute mehr Hautkrebsfälle diagnostiziert, aber in einem viel früheren Stadium, sodass die Patienten noch rechtzeitig geheilt werden können.

Welche weiteren Hautschäden können bei übermäßiger Sonneneinstrahlung entstehen?

Neben dem Hautkrebsrisiko - welches vor allem durch die UV-B-Strahlung gesteigert wird – besteht die frühzeitige Bildung von Falten und Pigmentflecken. Die Haut altert sozusagen schneller, wenn man sich der Sonne häufig ungeschützt aussetzt. Schuld sind hierfür vor allem UV-A-Strahlen.

Oft wird argumentiert, dass das gelegentliche Vergessen von Sonnenschutz nicht besonders schlimm sei. Ab wann kann durch Sonneneinstrahlung bereits Schaden entstehen?

Das hängt ganz davon ab, welchem Hauttyp man angehört. Im Prinzip gilt: Je heller die Haut, umso größer die Schäden, die durch UV-Strahlung entstehen. Andersherum gilt auch: Je dunkler die Haut, umso mehr ist man vor der UV-Strahlung geschützt.

Der Grund, warum man bei längerer Sonnenaussetzung braun wird, ist der dadurch entstehende Schutz. Aus diesem Grund ist eine Haut, die von Natur aus dunkler ist, auch mehr vor UV-Schäden geschützt. Das bedeutet also: Personen mit heller Haut müssen sich viel häufiger und stärker eincremen als Personen mit dunkler Haut.

Welche Hautfarbe man besitzt, hängt übrigens von den Genen ab: Ein Afrikaner mit sehr dunkler Haut bspw. hat wesentlich weniger Probleme mit der Sonne als ein Nordeuropäer mit einer ganz hellen Haut.

Welche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, wie lange und wie oft sich eine Person ungeschützt in der Sonne aufhalten darf ohne der Haut zu schaden?

Einen zentralen Faktor habe ich eben beschrieben: Je nach Hauttyp bzw. Helligkeit der Haut muss der Sonnenschutz unterschiedlich stark ausfallen.

Daneben spielen der Sonnenstand sowie die Jahreszeit wichtige Rollen: Die Mittagssonne im Hochsommer ist viel stärker und kann viel größere Schaden anrichten als die Abendsonne. Im beginnenden Frühjahr ist die Sonne nicht so stark wie im Hochsommer. Das Ziel bleibt dabei aber immer dasselbe: Man darf keinen Sonnenbrand bekommen. Was viele bspw. nicht wissen: Auch im Winter kann man sich einen Sonnenbrand zuziehen - vor allem wenn Schnee liegt und dieser die Sonnenstrahlen reflektiert und damit verstärkt. Daher muss man auch im Winter für Sonnenschutz sorgen.

Wie kann man die Haut ausreichend vor Sonneneinstrahlung und langfristigen Schäden schützen?

Am besten ist es, dass man sich stets den Satz vor Augen hält: “Ich darf keinen Sonnenbrand bekommen”. Zudem sollte man im Sommer nicht in die pralle Mittagssonne gehen, sondern unter einen Sonnenschirm oder anderen Schattenplatz.

Daneben hilft auch textiler Sonnenschutz sehr gut, bspw. ein langärmeliges Shirt. Nicht umsonst haben Bewohner von Wüstenregionen immer lange Gewänder an und oftmals eine Kopfbedeckung auf.

Da Sie gerade die Kopfbedeckung erwähnen: Muss also auch die Kopfhaut besonders geschützt werden?

Ja, die Kopfhaut ist besonders anfällig für Hautkrebs - gerade bei älteren Männern. Die Glatze ist ziemlich häufig betroffen, wenn es um Hautkrebs geht. In der Regel stellen die Haare einen „textilen” Sonnenschutz dar, der die UV-Strahlen absorbiert. Wenn man aber keine Haare mehr hat und die Sonne unmittelbar auf die Kopfhaut scheint, muss man besonders aufpassen. Ich rate hier die Kopfhaut mit einzucremen. Im Übrigen gilt das genauso für die Ohren und die Lippen - diese werden häufig vergessen.

Sie erwähnten bereits die verschiedenen Hauttypen. Wie kann man den eigenen Hauttyp bestimmen und wovon hängt dann der benötigte Lichtschutzfaktor der Sonnencreme ab?

Tag des Sonnenschutz KopfbedeckungEs gibt fünf Hauttypen. Hauttyp 1 ist der ganz helle Typ, der meist nur rot aber nie braun wird und ganz schnell einen Sonnenbrand bekommt. Auf der anderen Seite der Skala ist Hauttyp 5. Dieser ist sehr dunkel pigmentiert. Dazwischen gibt es Abstufungen. Es lohnt sich einen Hauttyp-Test zu machen - dies geht heutzutage im Internet (hier geht es zum Test: Hauttyp Test). Wer ganz sicher gehen will, sollte einen Hautarzt aufsuchen.

Dennoch raten wir ohnehin immer dazu, mit einem ganz hohen Lichtschutzfaktor anzufangen, am besten mit einem LSF von 50. Dies gilt vor allem in den ersten Tagen eines Sommerurlaubs. Nach einer Woche etwa kann man auf einen niedrigeren LSF runter gehen. Das hängt aber wiederum stark davon ab, welcher Hauttyp man ist. Wenn man ganz hell ist - also Hauttyp 1 - sollte man immer bei LSF 50 bleiben. Wenn man ein dunklerer Hauttyp ist, kann man auch auf einen niedrigeren Lichtschutzfaktor runtergehen - aber auch erst nach einer Woche.

Bei Lichtschutzfaktor 50 denken sicherlich viele, dass sie damit gar nicht braun werden. Stimmt das?

Nein, das stimmt ganz und gar nicht. Man wird auch mit hohem Lichtschutzfaktor braun. Es geht zwar im Vergleich zu einem geringeren Schutzfaktor langsamer bis die Bräune kommt, dafür hält sie aber auch länger. Mit einem hohen LSF hat man also wesentlich länger Freude an seiner Urlaubsbräune und beugt auch noch Falten und Hautkrebs vor.

Was bedeutet die Lichtschutzfaktorzahl genau?

Der Lichtschutzfaktor macht eine Aussage darüber, wie lange man ungeschützt in der Sonne bleiben kann, bevor man einen Sonnenbrand bekommt. Die Zahl gibt an, um welchen Faktor die natürliche Eigenschutzzeit der Haut verlängert wird. Hat man bspw. eine Eigenschutzzeit von 10 Minuten und verwendet einen LSF von 30, kann man theoretisch 300 Minuten in der Sonne bleiben. Für uns in der täglichen Praxis hat das allerdings keine besondere Aussagekraft. Wir starten daher in der Regel immer mit einem ganz hohen Lichtschutz.

Tag des Sonnenschutz SonnencremeDenn wie ich bereits erwähnte, ist das entscheidende, dass man keinen Sonnenbrand bekommt. Jeder ist da aber unterschiedlich empfindlich. Wenn man sich bspw. einen Südeuropäer vorstellt, der sehr dunkel ist, kann dieser bereits mit einem Lichtschutzfaktor 10 ganz gut in die Sonne gehen. Jedoch sollte auch er sich nicht länger als eine Stunde in der prallen Mittagssonne aufhalten. Hier würde auch ein dunkler Hauttyp einen Sonnenbrand bekommen. In der Nachmittagssonne sieht das schon wieder anders aus: hier könnte er eine Stunde in der Sonne mit LSF 10 verbringen ohne sich zu verbrennen.

Alleine an diesem Beispiel sieht man, wie extrem kompliziert bzw. unmöglich es ist, den exakten Sonnenschutzfaktor zu berechnen. Es spielen einfach so viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, u.a. Hauttyp, Sonnenstand und Jahreszeit.

Deshalb unsere Regel: Immer mit einem hohem Lichtschutzfaktor starten - vollkommen egal, welcher Hauttyp man ist.

Bedarf es eines unterschiedlichen Sonnenschutzes für Kinder, Erwachsene und Senioren?

Eigentlich nicht. Es gibt zwar unterschiedliche Sonnenschutzmittel für Kinder und Erwachsene, aber im Grunde sind die modernen Präparate alle sehr gut verträglich. Insofern können Kinder, Erwachsene und Senioren die gleiche Sonnencreme verwenden.

Braucht man einen besonderen Sonnenschutz bei sportlichen Aktivitäten?

Ja, da sich die aufgetragene Creme durch den Schweiß löst. Aus diesem Grund sollte man darauf achten, sich in der sportlichen Pause nochmal einzucremen. Dies gilt übrigens auch für wasserfeste Sonnencremes. Beim Schwitzen werden diese einfach “weggeschwemmt” bzw. abgestoßen.

Gibt es zur Sonnencreme noch alternative Sonnenschutzpräparate?

Nein, alternative Präparate bspw. in Tablettenform gibt es nicht. Der wirksamste Lichtschutz ist daher immer noch sich von der Sonne fernzuhalten und sich mit Kleidung zu schützen. Viele Kulturen in anderen, sonnigen Ländern schützen sich mit Textilien oder auch mit tragbaren Sonnenschirmen. Letzteres ist vor allem in einigen Ländern Asiens sehr beliebt. Gerade die Frauen tragen dort bei sonnigem Wetter einen Sonnenschirm mit sich, der sie vor der schädlichen UV-Strahlung schützt und der Hautalterung vorbeugt.

Was kann man tun, wenn man den Sonnenschutz einmal vergessen und einen Sonnenbrand bekommen hat? Kann man die Haut nachträglich vor Schäden schützen?

Einen Sonnenbrand muss man auf jeden Fall behandeln. Bspw. helfen Aloe vera Präparate die Haut zu beruhigen und den Sonnenbrand schneller abheilen zu lassen.

Eine Tablette, die man prophylaktisch gegen UV-Schäden nehmen kann, wenn der Sonnenbrand bereits da ist, gibt es allerdings nicht.

In welchen Abständen sollte man zur Hautkrebsvorsorge gehen, um mögliche Sonnenschäden frühzeitig erkennen zu können?

Das hängt sehr stark vom persönlichen Erkrankungsrisiko ab. Je höher das Hautkrebsrisiko, umso häufiger sollte man zum Hautscreening gehen.

Tag des Sonnenschutz HautkrebsvorsorgeZur Risikogruppe zählen u.a. Personen mit sehr heller Haut, familiärer Vorbelastung oder vielen Sonnenbränden in der Kindheit. Auch hoher Solariumkonsum lässt das Hautkrebsrisiko steigen. Patienten aus dieser Gruppe sollten einmal im Jahr zur Hautkrebsvorsorge gehen, um einen Hautkrebs, der in Zwischenzeit entsteht, rechtzeitig diagnostizieren, entfernen und damit heilen zu können.

Patienten, die kein erhöhtes Risiko aufweisen, sind in der Regel dunkelhäutig, haben keine an Hautkrebs erkrankten Familienmitglieder oder haben in der Vergangenheit keine exzessiven Sonnenbäder genossen. Bei diesen Personen reichen Kontrollen, die etwa alle drei Jahre stattfinden.

Am gefährdetsten sind übrigens Patienten, die eine Transplantation hinter sich haben, bspw. des Herzens oder der Nieren. Diese Personen sollten alle drei Monate zum Hautscreening erscheinen, da sie ein extrem hohes Hautkrebsrisiko besitzen. Sollte ein Patient aus dieser Hochrisikogruppe bspw. im Monat nach der letzten Kontrolle einen Hautkrebs entwickeln, so können wir diesen zwei bis drei Monate später noch rechtzeitig erkennen und behandeln.

Ist das Hautkrebsrisiko erhöht, je mehr Muttermale man hat?

Zunächst muss erwähnt werden, dass es zwei unterschiedliche Formen von Hautkrebs gibt: Den weißen und den schwarzen Hautkrebs. Besonders gefürchtet ist der schwarze Hautkrebs, da er sehr schnell im Körper Metastasen bildet. Patienten sterben dabei nicht am Hautkrebs selbst, sondern an den Tochtergeschwüren. Der weiße Hautkrebs ist dagegen weniger gefährlich, da er nicht so stark und aggressiv streut, wie der schwarze Hautkrebs.

Der schwarze Hautkrebs geht meistens aus bereits bestehenden Muttermalen hervor. Aus diesem Grund ist es tatsächlich so, dass je mehr dunkle Muttermale vorhanden sind, umso größer die Wahrscheinlichkeit einer Entartung ist. Umgekehrt gilt daher auch: Je weniger Muttermale man hat, umso so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines entartet. In diesem Zusammenhang kann nicht von eindeutigen Sicherheiten aber von Wahrscheinlichkeiten einer Erkrankung sprechen. Somit gilt auch die verstärkte Aussetzung von UV-Strahlen für einen Patienten mit vielen Muttermalen als relativ gefährlicher als für einen mit weniger Muttermalen.

Bieten Sie in Ihrer Praxis Behandlungen an, die die Haut nach starker Sonneneinstrahlung (bspw. nach einem Urlaub am Meer) regenerieren können?

Eine Behandlung, die die UV-Schäden sozusagen „rückgängig” macht, gibt es nicht. Aber man kann bspw. im Gesicht ein Peeling vornehmen lassen. Dieses sorgt dafür, dass die oberflächlichen Zellschichten der Haut abgetragen und durch neue ersetzt werden. Die oberflächlichen UV-Schäden der Haut können damit etwas behoben werden.

Für Peelings bieten wir unterschiedliche Methoden an: Mechanische Peelings, wie die Mikrodermabrasion, chemische Peelings mit Fruchtsäuren oder physikalische Peelings mithilfe eines Lasers. Bei letzterer Methode wird die obere Schicht der Haut mitsamt ihren Schäden sanft abgetragen. Pigment- bzw. Altersflecken, die durch zu viel Sonneneinstrahlung entstanden sind, können ebenfalls am besten mit dem Laser entfernt werden.

Die moderne Dermatologie bietet demnach heute einige effektive Möglichkeiten, um gewisse Folgen der durch UV-Strahlung bedingten Hautalterung zu behandeln. Dennoch können wir nicht oft genug betonen: Die beste Vorbeugung vor Hautalterung und vor allem vor Hautkrebs ist der maßvolle Umgang mit der Sonne und die Vermeidung von Sonnenbrand.


Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch hier: Die häufigsten Irrtümer und Mythen über Sonnenschutz und Hautkrebs

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