Oberlidstraffung
2018-09-14

Oberlidstraffung (Blepharoplastik) - Ablauf, Nachsorge und Risiken

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Dr. med. Robin Deb

Plastischer Chirurg in Frankfurt

+49 69 874 088 72

Experteninterview mit Dr. med. Robin Deb

Die Augen sind der zentrale Mittelpunkt unseres Gesichtes. Mit zunehmendem Alter werden bei vielen Menschen jedoch die jugendlich strahlenden Augen und der offene, wache Blick von Schlupflidern oder Tränensäcken verdeckt. Eine operative Lidkorrektur kann bei einem müden und angestrengten Blick Abhilfe verschaffen.

Nach der letzten Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (DGÄPC) belegte 2017 die Lidstraffung Platz drei der beliebtesten plastisch-ästhetischen Operationen in Deutschland, gefolgt von der Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin und der Faltenbehandlung mit Füllmaterialien. Dr. med. Robin Deb ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Frankfurt und möchte in diesem Interview den Eingriff der Oberlidstraffung genauer beleuchten.

Herr Dr. Deb, was genau versteht man unter einer Oberlidstraffung?

Ganz allgemein gesprochen versteht man unter einer Oberlidstraffung das Entfernen erschlaffter und überschüssiger Haut im Bereich des Oberlides. Manche Patienten haben durch dieses Zu-viel an Oberlidhaut eine Gesichtsfeldeinschränkung, da der „Hautvorhang“ den freien Blick verdeckt. Bei der Oberlidstraffung wird dieser Hautüberschuss entfernt, je nach individueller Situation können auch Anteile von Muskelgewebe entnommen werden. Das hört sich zunächst drastischer an, als es für den Patienten ist. In manchen Fällen wird zusätzlich noch Fettgewebe mit entfernt oder re-positioniert, also in eine andere Position gebracht.

Prinzipiell kann eine Oberlidstraffung aus folgenden Schritten bestehen:

  • Entfernen des Hautüberschusses
  • Behandeln der erschlafften Muskulatur
  • Reduzieren von überschüssigem Fettgewebe
  • in seltenen Fällen Reposition der Tränendrüse
  • Rekonstruktion einer jugendlichen Umschlagsfalte
  • Reposition von Fettgewebe oder Auffüllen bestimmter Areale

So ist das Blickfeld wieder frei und die Augenpartie bekommt ihren jugendlichen Ausdruck zurück.

Heißt das, dass eine Oberlidstraffung auch für jüngere Patienten mit starken Schlupflidern geeignet ist?

Genau. Schlupflider sind für die oben beschriebene Situation der umgangssprachliche Begriff, der medizinische Ausdruck für das „Zu-viel an Haut“ wäre Blepharochalasis, wobei Chalasis einfach nur „erschlaffte Haut“ bedeutet. Ob Schlupflider schon in jungen Jahren vorhanden sind oder sich erst mit zunehmendem Alter bilden, hängt zum einen von der genetischen Veranlagung ab. Hinzu kommen sogenannte Umweltfaktoren, die jeder auch selbst beeinflussen kann. Also Rauchen, ungesunde Ernährung oder zu viel Sonne kann dazu beitragen, dass die Haut am Oberlid vielleicht schneller erschlafft. Wenn Patienten schon in jungen Jahren Schlupflider haben, spricht man von einer genetischen Veranlagung. Kommt es zu einer Anstrengung beim Sehen oder wird das Blickfeld eingeschränkt, kann man eine Oberlidstraffung auch schon in jüngeren Jahren durchführen. Der typische Patient ist jedoch zwischen Ende 30 und 50.

Wie läuft die Oberlidstraffung ab?

Man kann diesen Eingriff sehr gut in örtlicher Betäubung durchführen. Selbstverständlich ist auf Patientenwunsch hin auch eine Vollnarkose möglich - diese ist jedoch in aller Regel nicht notwendig. Ich würde sagen, in 90% der Fälle wird eine Oberlidstraffung in örtlicher Betäubung im Eingriffsbereich und ambulant gemacht, d. h. die Patientin bzw. der Patient kann danach wieder nach Hause gehen. Nach der örtlichen Betäubung wird das Areal desinfiziert und abgedeckt und der Patient bekommt im Anschluss zwar alles mit, jedoch ohne dabei Schmerzen zu verspüren.

Wann ist der Patient wieder gesellschaftsfähig?

Das hängt natürlich stark auch von den individuellen Gegebenheiten ab. Als Daumenregel gilt nach ca. einer Woche. Das ist auch ungefähr der Zeitpunkt, an dem die Fäden gezogen werden müssen. Wir entfernen die Fäden ca. fünf bis sieben Tage nach der OP. Danach hat der Patient/ in vielleicht noch einen kleinen Bluterguss im Augenlidbereich, der aber nicht stört und gut abgedeckt werden kann. Es gibt vereinzelt Patienten, die schon nach weniger Tagen prinzipiell wieder gesellschaftsfähig wären, aber eben noch die Fäden in der Haut haben. Daher rate ich meinen Patienten in der Regel immer, wichtige gesellschaftliche Ereignisse erst einige Tage nach dem Fädenziehen wahrzunehmen.

Das Augenlid ist permanent in Bewegung. Pro Minute klappt es durchschnittlich 4-6mal auf und zu – ist das nach der Oberlidstraffung dann nicht schmerzhaft?

Normalerweise nicht. Eine Blepharoplastik, also eine Oberlidstraffung, ist im Regelfall während des Eingriffs und auch direkt danach eine sehr schmerzarme Behandlung. Es gibt dennoch – aber sehr selten – Patienten, die von einem Brennen oder einem Fremdkörpergefühl einige Tage nach der OP berichten. Dies liegt dann allerdings an der Schwellung der Bindehaut oder einer vorübergehenden Tränenabflussstörung. Aus meiner persönlichen Erfahrung würde ich sagen, in 99% der Fälle handelt es sich um einen schmerzfreien Eingriff.

Gibt es Augenkrankheiten oder gesundheitliche Ausgangssituationen, bei denen Sie von einer Oberlidstraffung abraten würden?

Sicher – zwar nicht viele, aber es gibt welche. Dazu gehören zum einen angeborene Blutgerinnungsstörungen oder gewisse Autoimmunerkrankungen, bei denen z.B. die Muskulatur betroffen ist. Auch bei Patienten, die eine Augenlidhebeschwäche (Ptosis) haben, muss man vorsichtig sein. Das schließt eine Oberlidstraffung nicht grundsätzlich aus, aber der Eingriff muss dann auf eine bestimmte Art und Weise durchgeführt werden, damit das Hängen des Augenlides danach nicht noch ausgeprägter ist. Generell sind das gesundheitliche Voraussetzungen, die ein verantwortungsvoller Arzt vorher im Beratungsgespräch und während der Untersuchung abklären muss. Unter Umständen muss jedoch auf einen Eingriff verzichtet werden.

Kommen wir zu den Risiken der Narbenbildung. Wo verlaufen die Narben und wie können Sie gewährleisten, dass diese nach einer Oberlidstraffung möglichst wenig sichtbar sind?

Es gibt so einen Chirurgen-Spruch, der besagt: Je dünner die Haut, desto besser die Narbe. Die Oberlidhaut gehört mit zur dünnsten Haut, die wir am Körper haben. Dies bedeutet, dass die besten Voraussetzungen für eine sehr gute Narbenheilung am Oberlid schon von Natur aus gegeben sind. Trotzdem sollte der Chirurg unbedingt darauf achten, dass die Naht und damit die Narbe in der neuen Lidumschlagsfalte zum Liegen kommt. Nur dann wird sie später praktisch unsichtbar sein.

Wie lange dauert es, bis die Narbe ihr endgültiges Aussehen erreicht hat?

Eine Narbe hat einen gewissen Heilungsverlauf. Man kann nicht erwarten, dass sie nach einer Woche schon ihr endgültiges Aussehen erreicht hat. Eine Narbe muss sich entwickeln. Bei dickerer Haut dauert das im Regelfall 1-1,5 Jahre. Beim Oberlid geht das aber sehr viel schneller, sodass man schon nach wenigen Wochen die Narbe nur noch angedeutet sieht. Wenn die Rötung, die sich im Heilungsverlauf immer einstellt, verblasst und die Narbe weißlich wird, dann ist diese fast nicht mehr zu sehen.

Können Sie uns die häufigsten Bedenken schildern, die Ihre Patienten im Beratungsgespräch äußern und die bei ihrem Entscheidungsprozess für oder gegen eine Oberlidstraffung eine Rolle spielen?

Die Bedenken sind bei diesem Eingriff meiner Erfahrung nach relativ gering. Natürlich ist es ein Eingriff am Auge und man hat einen gewissen Respekt davor – und den sollte man vor jeder Operation haben. Aber dass Patienten wirklich Angst haben vor bestimmten Folgeerscheinungen oder Komplikationen nach einer Oberlidstraffung haben, kommt tatsächlich eher selten vor. Es ist primär die Hemmschwelle, generell einen Eingriff vornehmen zu lassen und noch dazu im Gesicht. Es gibt jedoch, wie bei jeder OP, gewisse Risiken und Komplikationen, die der Operateur vorher mit dem Patienten genau besprechen muss. Schwerwiegendere Komplikationen sind bei Oberlidoperationen selten, können jedoch auch auftreten. Wenn ein tiefgreifender Eingriff in das Fettgewebe vorgenommen wurde und danach Blutungen auftreten, dann könnte das schwerwiegende Folgen haben. Dies würde jedoch in aller Regel voraussetzen, dass Patienten gewisse Warnhinweise ihres Körpers ignorieren, gewisse Verbände erhalten haben, die man heute nicht mehr verwendet oder falsch angeleitet wurden. Der Patient muss richtig geführt und vor allem richtig aufgeklärt werden. Wenn Patienten Bedenken äußern, dann beziehen sich diese auf die Narkose oder die Schmerzen nach dem Eingriff.  In aller Regel kann man diese aber durch eine gute, realistische Aufklärung aus der Welt schaffen.

Welche Risiken birgt der Eingriff konkret?

Realistische Risiken sind eine gewisse Asymmetrie im Ergebnis. Hier muss man sich als Operateur große Mühe geben, dass beide Oberlider nicht deutlich unterschiedlich werden. Wir sind als Menschen nicht symmetrisch aufgebaut, die rechte Körperhälfte ist nicht wie die linke, die rechte Augenhöhle ist von der knöchernen Struktur und vom Aufbau nicht wie die linke, und auch die Art und Weise, wie die Augenlider positioniert sind, unterscheidet sich. Man versucht als Operateur bestehende Asymmetrien auszugleichen, aber das gelingt nicht immer perfekt. Der Grund dafür sind die anatomischen Voraussetzungen, die bei jedem Menschen anders sind. Es liegt in der Verantwortung des Arztes, hier keine unrealistischen Erwartungen beim Patienten zu wecken. Das Risiko einer sichtbaren Narbenbildung ist, wie oben aufgezeigt, in aller Regel sehr gering, wenn die Narbe richtig positioniert ist. Wundheilungsstörungen kommen bei Oberlidplastiken sehr selten vor, genauso wie Nachblutungen. Trotzdem kann es natürlich zu einer vermehrten Blutung in das umliegende Gewebe kommen. Das kann wiederum zu größeren Blutergüssen führen, die bis ins Mittelgesicht abrutschen können. Es dauert dann einfach ein paar Tage, bis diese von selbst wieder abklingt. Generell sind Infektionen so selten, dass ich in 22 Berufsjahren in der Plastischen Chirurgie noch keine am Oberlid gesehen habe.

Als in der ästhetischen Chirurgie tätige Ärzte sind wir vom Gesetzgeber verpflichtet, auch über die schlimmsten Komplikationen von Operationen aufzuklären. Bei einer Lidstraffung wäre hier eine mögliche Erblindung zu nennen. Dies könnte nur passieren, wenn tiefe Blutungen im Fettgewebe aufträten und man keine Maßnahmen dagegen ergreifen würde. Oder aber, wenn durch Verbände, die man heutzutage nicht mehr verwendet, ein solche Blutung vom Patienten nicht wahrgenommen werden würde. Unsere Patienten bekommen nur kleine Pflasterstreifen im Oberlidbereich und würden es daher sofort merken, wenn es zu einer Blutung käme. Die Oberlidhaut würde in solch einem Fall blau werden und sich stark aufwölben bzw. anschwellen. Der Patient hätte starke Schmerzen. Wir weisen unsere Patienten immer dazu an, in jeglicher Situation, die nicht so verläuft, wie wir es vor der Operation besprochen haben, Kontakt mit uns aufzunehmen. In der Regel ist dann ein solches Vorkommnis schnell und komplikationslos behandelbar. Ein ganz wichtiger Punkt ist demnach die Aufklärung des Patienten. So weiß er zu jeder Zeit, wie er reagieren soll und wann der Kontakt zum Operateur aufnehmen muss.

Wie erkenne ich als Patient denn einen kompetenten Arzt, der die notwendige Qualifikation und Erfahrung hat, eine Oberlidstraffung möglichst risikolos durchführen zu können?

Die Oberlidplastik wird von vielen Kollegen angeboten, da es ein vermeintlich kleiner Eingriff ist. Mit einem vergleichsweise geringen Aufwand kann man bereits eine auffällige und schöne Wirkung erzielen. Viele Kollegen, die Anfänger sind, führen diesen Eingriff durch und sind ganz begeistert von sich selbst, weil sie so tolle Ergebnisse erhalten. Wenn man als Patient sicherer sein möchte, kann man nachfragen, wie viele OPs der Arzt in diesem Bereich schon durchgeführt hat und wie oft er diesen speziellen Eingriff zurzeit durchführt. So kann man besser darauf vertrauen, dass ein gewisses Maß an Sicherheit und Routine vorhanden sind. Zudem sollte man sich mit dem potentiellen Chirurgen eingehend unterhalten. Hilfreich ist es beispielsweise, sich Vorher-Nachher-Bilder zeigen zu lassen – als Kontrolle, ob der Arzt diese Patienten auch selbst operiert hat, kann man nach Referenzpatienten fragen. Wenn anatomische Gegebenheiten verständlich erklärt werden, ist es dem Arzt zumindest schon einmal nicht fremd, worum es geht.

Darüber hinaus kann ein Patient natürlich auch aufgrund der Ausbildung und des Facharzttitels ersehen, ob ein Behandler aus der Materie kommt. Man kann zudem auch mehrere Beratungsgespräche bei unterschiedlichen Ärzten durchführen, um einen Arzt besser beurteilen und die Gesprächseindrücke miteinander vergleichen zu können. So bekommt man als interessierter Patient ein gutes Gefühl dafür, wem man sein Vertrauen schenkt – ein wichtiger Faktor wird auch immer das Bauchgefühl sein.

Kommen wir zu den Kosten einer Oberlidstraffung – was muss man als Patient veranschlagen?

Wenn wir von einer ambulanten Oberlidstraffung mit örtlicher Betäubung ausgehen, dann kann man im Regelfall mit Kosten zwischen 2.200 bis 2.600 Euro rechnen, abhängig von den individuellen Gegebenheiten. Wenn ein Patient tatsächlich in Vollnarkose operiert werden möchte und der Patient dann noch eine Nacht unter Aufsicht bleiben möchte, erhöhen sich die Kosten entsprechend.

Gibt es denn minimalinvasive Alternativen zur operativen Oberlidstraffung?

Ja, die gibt es seit einigen Jahren. Im Prinzip kann man verschiedene sogenannte thermische Verfahren anwenden. Da ist zum Beispiel die Radiofrequenz zu nennen. Mit einem Handstück, an dem sich eine kleine Elektrode befindet, werden dabei oberflächlich minimale, kontrollierte Verbrennungen gesetzt. Dort bildet sich Schorf und die Haut zieht sich in der Folge zusammen. Wir nennen das eine Retraktion, Zusammenziehen oder Schrumpfen der Haut, sodass man hinterher ein bisschen weniger an Haut hat. Wenn man unter einer deutlichen Oberliderschlaffung leidet, gibt es allerdings, meiner Meinung nach, keine seriöse Alternative zur klassischen OP.

Könnten Sie uns am Ende des Interviews noch ein paar O-Töne Ihrer Patienten geben? Was sagen Ihre Patienten, wenn sie nach einigen Tagen das Ergebnis richtig sehen können?

Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Aber meistens berichten mir meine Patienten, dass sie viel frischer aussehen und ihre Augen viel klarer und offener wirken. Das Schöne ist, wenn Freunde und Bekannte registrieren, dass meine Patienten wacher, erholter und offener aussehen, aber nicht direkt sagen können, dass es an einer Oberlidstraffung liegt. Oftmals merkt das Umfeld nur, dass sich im Gesicht etwas positiv verändert hat, aber nicht genau, was. Das ist meist ein sehr schöner Moment und trifft genau das, was sich die Patienten von dem Eingriff erhofft habenein natürliches Ergebnis, das ihnen einen verjüngten Ausdruck ihrer Augenpartie zurückbringt.