CoolSculpting - Fett reduzieren durch Kälte
2018-10-22

CoolSculpting - Techniken, Risiken und Kontraindikationen

Dr. Helen Haas Dermatologin in Frankfurt

Infos zum Experten

Dr. med. Helen Juliane Haas

Fachärztin für Dermatologie und Venerologie

+49 69 874 088 72

Experteninterview mit Dr. med. Helen Haas zu dem Thema „CoolSculpting“

Viele Menschen stören sich an kleinen, lokalen Fettpölsterchen, die trotz Sport und gesunder Ernährung einfach nicht verschwinden wollen. Die ästhetische Medizin bietet hier zahlreiche Methoden zur Körperkonturierung und Fettreduktion.

Das CoolSculpting - auch als Kryolipolyse bekannt -, stellt darunter eine innovative und sehr gut verträgliche Methode zur Behandlung von lokalen Fettansammlungen mithilfe gezielter Kälteeinwirkung dar. 

Frau Dr. med. Helen Haas ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in Frankfurt und hat sich auf körperformende Eingriffe wie das CoolSculpting spezialisiert. In diesem Interview sprechen wir mit der erfahrenen Fachärztin über die neuartige Methode der Fettreduzierung.

 

Frau Dr. Haas, die Begriffe CoolSculpting und Kryolipolyse hören sich zunächst recht komplex an. Was genau versteht man eigentlich darunter?

Der Begriff der Kryolipolyse bezeichnet einen medizinischen Fachterminus, der letztendlich die Technik beschreibt, bei der man gezielte Kältereize zur Behandlung störender, vor allem diät- und sportresistenter Fettpölsterchen nutzt. Der Begriff CoolSculpting ist dagegen die Bezeichnung eines bestimmten Gerätes. Dabei war das CoolSculpting-Gerät das erste Kryolipolyse-Gerät auf dem Markt, welches sich das Verfahren der gezielten Kälteanwendung zunutze machte.  

Seit wann genau wird Kälte zur Reduktion von Fettdepots in der ästhetischen Medizin genutzt?

Seit gut einem Jahrzehnt. Ich persönlich arbeite mit dem CoolSculpting-Gerät seit 2011.

Das sind ja schon einige Jahre an praktischer Erfahrung. Was uns interessiert – funktioniert diese Form der Fettreduktion wirklich? D. h. konnte der Effekt des CoolSculpting wissenschaftlich nachgewiesen werden?

Ja. Bis heute belegen viele wissenschaftliche Veröffentlichungen sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz der Kryolipolyse im Allgemeinen und des CoolSculptings im Besonderen. Die ersten Publikationen berufen sich auf die Jahre 2008/2009. Gerade in den letzten 4 – 5 Jahren sind nochmals vielfache Studien hinzugekommen. Meine persönliche Erfahrung ist allerdings, dass das Ansprechen auf die Technologie des CoolSculptings von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann. Dabei gibt es Patienten, die sehr gut ansprechen und Patienten, die eher weniger gut ansprechen. Die breite Masse aber zeigt ein gutes Ergebnis.

Interessant. Welcher Effekt wird denn durch das Herunterkühlen des Fettgewebes erzielt?

Letztendlich bewirkt der ganz gezielt gesetzte Kältereiz der Kryolipolyse ein kalkuliertes Einfrieren der Fettzellen. Diese werden kristallisiert und im Prozess letztendlich durch eine so herbeigeführte Entzündungsreaktionen im Körper zum programmierten Zelltod gebracht werden.

Im Internet liest man leider häufig von „Billiggeräten“, die schwere Verletzungen oder Hautnekrosen bei der Behandlung verursachen können. Wie sehen Sie das: Welche Rolle spielt die Qualität des Gerätes bei der Kryolipolyse?

Ich persönlich arbeite nun schon seit Jahren einzig und allein mit dem CoolSculpting-Gerät, denn dieses bietet einen besonderen Gewebeschutz. In den Applikatoren sind Messsensoren eingebaut, die während der Behandlung konsequent die Temperatur an der Hautoberfläche messen und so verhindern, dass das Gewebe zu stark runtergekühlt wird. Als Hintergrundinformation ist es hierbei wichtig zu wissen, dass die Fettzellen, die Adipozyten, besonders kälteempfindlich sind. Diese reagieren auf Temperaturen um etwa 4 Grad, wobei Haut und Bindegewebszellen deutlich kälteresistenter sind. Kommt man aber in Temperaturen unter 4 Grad, könnten diese Kältereize tatsächlich gefährlich für die Haut oder anderes umgebendes Gewebe werden. Ich persönlich habe bereits einige Fälle von extern behandelt, die unter Hautnekrosen durch unkontrolliertes Kühlen gelitten haben. Sind diese abgeheilt, ergibt sich zumeist ein recht unschönes, vernarbtes Hautbild.

Für die Patienten ist es also wichtig zu wissen, dass mit einem qualitativ hochwertigen Gerät gearbeitet wird. Was ist sonst noch wichtig bei der Entscheidung für den Arzt oder für die Praxis?

Wie bei allen medizinischen Behandlungen steht dem Patienten auch bei der Kryolipolyse das Recht zu, Behandler und Praxisteam zu befragen, wie lange das entsprechende Gerät benutzt bzw. die Technologie in der Praxis angewendet wird. Hierbei scheint mir besonders wichtig zu sein, dass die Behandler schon langjährige Erfahrung mit der Kryolipolyse bzw. mit dem CoolSculpting-Gerät haben, denn je mehr Behandlungserfahrung gesammelt wurden, desto schöner sind am Ende auch die Ergebnisse.

Sehr interessant. Für wen ist nun diese Form der Fettreduktion geeignet?

Im Regelfall für Menschen, die eine Normalfigur haben, dabei aber Probleme mit sport- und diätresistenten kleinen Fettdepots haben. Dieses Verfahren dient nicht der Gewichtsreduktion, es ist keine Behandlung, um störendes Übergewicht zu reduzieren. Man sollte die Wirkung des CoolSculptings bzw. der Kryolipolyse eher in einer gezielten Körperkonturierung sehen.

Gibt es eine Altersbegrenzung für die Kryolipolyse?

Eine Altersbegrenzung im strengen Sinne gibt es nicht. Da die Technologie auf stoffwechseleigene Prozesse zurückgreift, sind mit Sicherheit die Ergebnisse bei stoffwechselaktiven Menschen deutlich größer als bei stoffwechselreduzierten Patienten, also bei jüngeren besser als bei älteren. Behandelt man ältere Menschen, muss man vielleicht im Vorfeld auf ein weniger stark ausgeprägtes Endergebnis hinweisen.

Woran liegt das?

Das liegt tatsächlich in der Technologie der Kryolipolyse begründet, die durch die gezielte Kälteeinwirkung letztendlich einen Entzündungsreiz im behandelten Areal freisetzt, der wiederum körpereigene Stoffwechselprozesse aus dem Immunsystems aktiviert und hierbei reagiert letztendlich jeder Patient unterschiedlich.

Kann eine Kryolipolyse auch bei Cellulite oder bei Reiterhosen helfen?

Zur Behandlung von Cellulite eignet sich die Technologie der Kryolipolyse bzw. CoolSculpting nicht, denn die Therapie bewirkt über die Kälteeinwirkung ein Einschmelzen der Fettzellen, ohne eine wesentliche Hautschrumpfung zu bewirken. Bei den klassischen Reiterhosen dagegen stellt das CoolSculpting eine wirksame Behandlungsmethode dar. Letztendlich können fast alle Körperpartien, an denen sich kleine Fettdepots angesammelt haben, durch die Verwendung unterschiedlicher Behandlungsaufsätze gezielt therapiert werden. Dazu gehören die Oberarme, Knie, das Doppelkinn, die Innen- und Außenseiten der Oberschenkel, die Hüften sowie auch der Bauch.

Kommen wir zum Ablauf des CoolSculptings. Wie muss man sich die Behandlung vorstellen?

Vor jeder Behandlung steht zunächst ein ausführliches ärztliches Aufklärungsgespräch, um medizinische Risiken, Vorerkrankungen, mögliche Kontraindikationen zu besprechen und auszuschließen. Im Anschluss wird das Behandlungsareal unter ärztlicher Aufsicht und unter Zuhilfenahme spezieller Schablonen penibel markiert. Im Anschluss werden die unterschiedlichen Applikatoren entweder durch eine Vakuumsaugtechnologie oder durch eine Kühlplattentechnologie auf das entsprechende Behandlungsareal gesetzt. Der Patient kann dann auf einer bequemen Liege entspannen, lesen oder Musik hören.

Wie viele Zonen lassen sich dabei gleichzeitig behandeln?

Gleichzeitig lassen sich komfortabel 2 – 4 Zonen nacheinander behandeln, wobei der Patient mit einer Behandlungsdauer des einzelnen Areals von ca. 35 Minuten rechnen muss.

Wann stellen sich dann die ersten Erfolge der Kryolipolyse ein?

Der Patient muss sich leider gedulden. Das CoolSculpting ist eine Therapie, die auf Stoffwechselprozesse zurückgreift, die im Körper erst einmal stattfinden müssen. Der Patient sieht also erst nach und nach, und nicht von heute auf morgen die Ergebnisse seiner Behandlung. Dies dauert etwa 8 – 12 Wochen.

Wie lange hält das Ergebnis an? Kommen die Fettzellen an den behandelten Stellen wieder?

Prinzipiell stellt die Kryolipolyse eine dauerhafte Entfernung der behandelten Fettzellen dar. In einem umschriebenen Fettpölsterchen werden ca. 10-30% der vorhandenen Fettzellen durch die Behandlung erreicht und dauerhaft eingeschmolzen. Hält der Patient sein Gewicht nach der Behandlung konstant, ist auch das Ergebnis der Behandlung dauerhaft und nicht wieder umkehrbar. Nimmt der Patient allerdings massiv Gewicht zu, können sich auch im behandelten Areal die restlich verbleibenden Fettzellen wieder vergrößern.

Kann die Behandlung wiederholt werden?

Die Behandlung ist mehrfach wiederholbar, hierbei sollte man aber einen Mindestabstand von einem dreiviertel Jahr bis Jahr einhalten.

Welche Vorteile bietet Ihrer Meinung nach die Kryolipolyse gegenüber einer operativen Fettabsaugung oder der Fett-weg-Spritze?

Letztendlich ist die Kryolipolyse das einzige nicht invasive Verfahren, um störende Fettdepots loszuwerden. Hierbei verzichtet man auf eine Kanülentechnik, die bei der operativen Fettabsaugung zum Einsatz kommt genauso, wie auf die Injektionen bei der Fett-weg-Spritze. Die Kryolipolyse ist ein sehr nebenwirkungsarmes Verfahren, welches für den Patienten nach der Behandlung keinerlei Ausfallzeiten bedeutet. Er kann sofort seinen Alltagstätigkeiten nachgehen, auch Sport etc. kann er sofort machen. Außerdem muss er nicht, wie bei der Liposuktion, nach der Behandlung Stützbandagen oder ähnliches tragen. Dies wird von Patienten als sehr vorteilhaft empfunden.

Kommen wir zum gefürchteten Thema Schmerzen – ist das Herunterkühlen der Haut mit dem CoolSculpting-Gerät sehr unangenehm?

Das Empfinden der Patienten ist da sehr unterschiedlich. Prinzipiell stellt das CoolSculpting unter den bestehenden Fettreduktionsmethoden die schmerzärmste Behandlung dar. Wenn der Behandlungskopf (meist per Vakuum) das Gewebe einsaugt, entsteht ein leichter Druck- und Brennschmerz. Der Brennschmerz ist vergleichbar zu dem Gefühl, was wir alle aus dem Winter kennen, wenn wir bei starker Kälte ohne Handschuhe rausgehen. Nach einigen Minuten fangen die Finger an zu brennen. Da Kälte nebenbei auch noch einen anästhesierenden, d.h. betäubenden Effekt hat, stellt sich auch dieser nach ca. 5 Minuten Behandlungsdauer ein. Das behandelte Areal wird taub, sodass Schmerzen ab dann nicht mehr spürbar sind.

Denken wir an Ihr Beispiel „kalte Hände im Winter“: Sobald man ist Warme kommt, fangen die Finger an zu Schmerzen. Kann man sich diesen Effekt bei der Kryolipolyse auch so vorstellen?

Ja, in ähnlicher Form kann man sich das so vorstellen. Zunächst wird der Behandler nach erfolgter Sitzung das Areal mit einer starken Massage kneten und die Durchblutung so wieder ankurbeln. Dieser Prozess wird von den meisten Patienten am schmerzhaftesten beschrieben. Die betäubende Wirkung der Kältetechnologie hält noch eine halbe Stunde an, danach kommt es häufig zu einem leichten Kribbel- und Brenngefühl im Gewebe.

Welche weiteren Nachsorgemaßnahmen sollte der Patient beachten?

Ganz explizit muss man Patienten vor der Behandlung darauf hinweisen, dass das Verhalten in den Wochen nach der Behandlung entscheidend für das Ergebnis ist. Mit Sicherheit positiven Effekt haben jegliche Maßnahmen, die eine Aktivierung des Stoffwechsels bewirken. Dies sind vor allem allgemeine Dinge, wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr – ich empfehle, mindestens 2–3 Liter am Tag zu trinken, um Leber und Stoffwechsel möglichst aktiv zu halten. Zudem sollten Patienten sich sportlich betätigen. Ein ganz wichtiger Hinweis ist außerdem, dass nach der Behandlung jegliche Form von Entzündungshemmung einzuschränken ist. Viele Patienten nehmen bei Kopf- oder Gelenkschmerzen gerne Ibuprofen oder Voltaren. Diese sollten jedoch mindestens 4 Wochen nach Behandlung nicht genommen werden, da sie nicht nur einen schmerzlindernden Effekt haben, sondern auch entzündungshemmend wirken.

Wie viele Behandlungen sind notwendig, um ein sichtbares Ergebnis zu erlangen?

Das ist grundsätzlich bei jedem Menschen anders. Das CoolSculpting-Gerät ist so konzipiert, dass normale Fettdepots auf eine Einmalbehandlung ansprechen. Darin unterscheidet sich das CoolSculpting-Gerät von den Mitbewerbern, die meist Mehrfachbehandlungen benötigen, bis ein vergleichbares Ergebnis erzielt wird. Neben der Sicherheit ist die Einmalbehandlung meiner Meinung nach ein weiterer Pluspunkt von CoolSculpting.

Mit welchen Kosten muss ein Patient für eine Behandlung rechnen?

Die Kosten des CoolSculpting werden an der Anzahl der behandelten Areale festgemacht. Prinzipiell kann man sagen, dass die Kosten pro Zone etwa bei 700,- Euro liegen, wobei die Hüften zum Beispiel zwei Zonen wären.