Knochenaufbau Oralchirurgie
2021-11-03

Knochenaufbau: Ablauf, Materialien, Nachsorge - Experteninterview

Zahnarzt Zürich - Dr. Gonzalo Olivares Carbonell

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Dr. Stom. Gonzalo Olivares Carbonell

Dr. Stom. Gonzalo Olivares Carbonell

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Knochenaufbau: Ablauf, Materialien, Nachsorge

Um eine feste Verankerung eines Zahnimplantates im Kieferknochen gewährleisten zu können, muss dieser über ein bestimmtes Volumen (ausreichende Knochenhöhe und -breite) verfügen. Liegt bei einem Patienten jedoch ein zu geringes Knochenvolumen vor, so schließt dies eine Behandlung mit einem Zahnimplantat nicht aus. Mittels eines Knochenaufbaus kann der Kieferknochen gut für die Einbringung eines Zahnimplantates vorbereitet werden. Meistens werden Knochenaufbauten nicht als alleiniger Eingriff, sondern zusammen mit der Implantat-Insertion durchgeführt. Der Spezialist und erfahrene Oralchirurg Dr. Stom. (Kuba) Gonzalo Olivares Carbonell beantwortet uns in unserem exklusiven info Medizin Interview wichtige Fragen rund um das Thema Knochenaufbau.

Herr Dr. Olivares, wann muss ein Knochenaufbau vorgenommen werden?

Ein Knochenaufbau wird durchgeführt, wenn Breite und Höhe des Kieferkammes ungenügend sind, um das Implantat fest zu verankern.

Wie genau verläuft ein solcher Knochenaufbau?

Die Behandlung wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Die fehlende Knochensubstanz wird entweder durch eigenen Knochen oder durch andere – meist tierische – Materialien ersetzt. Der Chirurg wählt das passende Verfahren abhängig von der Art des Knochenmangels und der Stelle.

Welche Materialien werden bei einem Knochenaufbau eingesetzt und welches ist wann geeignet?

Es existiert eine große Auswahl an Materialien. So gibt es Knochen von synthetischer oder tierischer Herkunft. Goldstandard ist aber der menschliche Knochen. Dabei kommt eigener Knochen vom Patienten selbst zum Einsatz oder nach Einwilligung des Patienten auch menschlicher Spenderknochen. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt die verschiedenen Möglichkeiten mit dem Patienten bespricht. Nach ausführlicher Information und ärztlicher Aufklärung willigt der Patient ein, welches Material verwendet wird. Für große Knochendefekte ist der Knochenaufbau mit eigenem Knochen oder mit Allografts (menschliche Herkunft) die richtige Wahl.

Nach einem Knochenaufbau muss das Material erst einheilen, bevor das Zahnimplantat eingesetzt werden kann, oder? Falls ja, wie lange dauert diese Heilungsphase und wann kann das Zahnimplantat dann schließlich eingesetzt werden?

Nein. Das hängt von der Menge des vorhandenen Knochens ab. Wenn eine primäre Stabilität des Implantates erreicht wird, könnte man den Knochenaufbau gleichzeitig mit der Implantation durchführen. Sonst muss man warten, bis das Knochenwachstum abgeschlossen ist. Das dauert circa 3 Monate. Wichtig ist es, dies vor der Implantation mit Hilfe eines Röntgenbildes zu kontrollieren. Es kommen dafür auch 3D-Bilder, sogenannte Volumentomogramme (DVTs) zum Einsatz.

Was sollte man nach einem Knochenaufbau beachten? Was darf man essen und wann ist man wieder gesellschaftsfähig und darf Sport treiben?

Das ist sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sollte man aber wie nach jedem chirurgischen Eingriff warten, bis die Betäubung nachgelassen hat. So wird vermieden, dass man sich selbst die Wangen oder Lippen durch Beißen verletzt. Bei einem großen Knochenaufbau mit Transplantat (Knochenblock-Verfahren) wird die Entnahme des Knochens an einer separaten Stelle vorgenommen. Dieser Knochenblock wird dann in den Kiefer hinein fixiert, mit oder ohne simultane Implantation. Bei diesem Vorgehen wird oft weiche Kost empfohlen. Diese Eingriffe werden meist unter Narkose durchgeführt – danach sollte der Patient sich erholen und körperliche Anstrengung vermeiden. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen ist mit Einschränkungen von bis zu 3 Tagen zu rechnen.

Werden die Kosten für einen Knochenaufbau von der Krankenkasse übernommen?

Die Kosten für den Knochenaufbau werden in der Regel nicht von der Krankenversicherung übernommen. Extreme Knochenverluste/Atrophien allerdings werden von der Versicherung als Krankheit anerkannt. In solchen Fällen bezahlt der Patient dann nur die prothetische Versorgung.