Experteninterviews
2021-11-25

Experteninterview: Chondroplastische Nasen-OP

Was genau ist eine Chondroplastischen Nasen-OP?

Ob zu breit, zu groß, zu lang oder aufgrund von Höckern und Unebenheiten, viele Menschen sind mit der Form ihrer Nase unzufrieden. Doch neben dem ästhetischen Aspekt ist oft auch die Funktion der Nase bei einer Asymmetrie gestört. Um beide Punkte beheben zu können, bietet sich die sogenannte chondroplastische Nasen-OP-Technik an.

In unserem exklusiven info Medizin Interview beantwortet der Experte und Facharzt für Hals–Nasen–Ohrenheilkunde Dr. med. Henryk Wilke wichtige Fragen rund um die spezielle Technik der chondroplastischen Nasen-OP.

Herr Dr. Wilke, was genau ist unter der chondroplastischen Nasen-OP zu verstehen und wann eignet sich diese Methode?

Knorpel ist das Gewebe, das maßgeblich die Form und Funktion unserer Nase bestimmt. Vor allem die Stützfunktion als auch die Flexibilität zeichnen es aus. Die chondroplastische Technik schont dabei maximal die stabilisierenden Elemente des Knorpels im Gegensatz zu vielen Techniken, wo Knorpelanteile in der Nase großzügig reseziert werden. Mit der chondroplastischen Technik in der Nasenchirurgie kann sowohl die äußere Form (Rhinoplastik) als auch die innere Nasenkorrektur (Nasenseptumplastik) vorgenommen werden.

Welche Vorteile bietet diese Art von Nasenkorrektur für den Patienten?

Aufgrund dieser schonenden Technik, ist der Heilungsverlauf verkürzt und die Stabilität auch noch nach vielen Jahren gewährleistet. Abgesunkene Nasenspitzen, Nasenscheidewandperforationen und Einfallen des Nasenrückens im weiteren Heilungsverlauf sind damit eine absolute Rarität. 

Wie kann man sich denn in etwa den Verlauf einer chondroplastische Nasen-OP vorstellen?

Der Zugang kann je nach Erfordernis offen oder geschlossen gewählt werden. Das oberste Gebot ist, soviel wie möglich körpereigenes Knorpelgewebe zu erhalten, um maximale Stabilität zu bewirken und ein natürliches und vor allem langfristiges Ergebnis zu erhalten. Dabei wird der Knorpel schonend in die gewünschte Form gebracht ohne nur die schiefen Anteile zu entfernen.

Diese Herangehensweise kann natürlich mit weiteren Techniken kombiniert werden. Gerade bei Voroperierten Patienten sehe ich oft die Auswirkungen von destabilisierenden Standardtechniken. Hier sind teilweise weitere Techniken wie die extrakorporale Septumrekonstruktion und/ oder Implantation von Ohr- oder Rippenknorpel nötig.

Jetzt ist natürlich auch die Nachsorge interessant. Wie oft muss der Patient zur Nachkontrolle kommen? Müssen nach dem Eingriff Tamponaden und Fäden gezogen werden?

Aufgrund der schonenden Technik kann auf Nasentamponaden verzichtet werden, daher entfällt auch das unangenehme Entfernen derselben. Das Nahtmaterial ist resorbierbar. Evtl. muss eine Fadenentfernung an der Columella (Nasensteg) und die Abnahme einer Nasenschiene nach zwei Wochen erfolgen. Die weitere Nachkontrolle wird dann individuell vereinbart.

Wie lange dauert denn in etwa die Heilungsphase nach einer chondroplastischen Nasen-OP und wie lange muss der Verband auf der Nase belassen werden?

Die Stabilität der Nase ist bereits nach kurzer Heilungszeit gewährleistet. Schwellungen im Bereich der Gesichtshaut als auch der Schleimhaut innerhalb der Nase sind sehr individuell und können in geringem Maße sogar noch bis zu einem Jahr andauern. In den meisten Fällen ist allerdings nach ein bis zwei Monaten kaum noch Schwellung vorhanden.

Wann kann man denn nach einer chondroplastischen Nasen-OP wieder arbeiten gehen und ist gesellschaftsfähig?

Eine deutliche Funktionsverbesserung zeigt sich oftmals schon nach wenigen Tagen. Abhängig vom Beruf und dem subjektiven Befinden ist die Wiederaufnahme der Arbeit schon nach wenigen Tagen wieder möglich. In der Regel ist die Schwellung nach zwei Wochen soweit rückläufig, dass die Patienten wieder aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Schwere körperliche Arbeit sollte erst nach ca. 6 Wochen wiederaufgenommen werden.