Herzinfarkt

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Mit einer Sterberate von 52 000 Menschen pro Jahr rangiert der Herzinfarkt, auch genannt Myokardinfarkt, auf der Liste der häufigsten Todesursachen in Deutschland auf dem zweiten Platz. Von den 280 000 erlittenen Herzinfarkten pro Jahr sterben 18,5% aller betroffenen Patienten.

Behandlungen

Der Herzinfarkt

Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit dem Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie Dr. Markus Matula erstellt.

Eine zeitnahe und sachgerechte Behandlung in einer spezialisierten Klinik ist daher notwendig und kann die Überlebenschance des Patienten deutlich erhöhen. Im Falle einer unverzüglichen Herzkatheter-Behandlung wird die Sterberate sogar mehr als halbiert. Der Zeitraum vom ersten Auftreten der Symptome bis zur Herzkatheter-Behandlung ist der entscheidende Faktor für den Genesungsprozess.

Welche Ursachen hat ein Herzinfarkt?

Die Hauptursache von Herzinfarkten ist die Verkalkung von Arterien (Arteriosklerose), die der Versorgung des Herzmuskels mit Blut und Sauerstoff dienen. In den Kalkablagerungen (Plaques) kommt es rasch zu Rissbildungen. Um diese Risse zu verschließen, lagern sich Blutplättchen ab, was zu einer fortschreitenden Verstopfung des Blutgefäßes führt. Bei vollständigem Gefäßverschluss wird die Sauerstoffversorgung des Herzens unterbrochen. Wenn diese länger als zwanzig Minuten anhält, hat das ein Absterben der Herzmuskulatur zur Folge. Lebensbedrohliche Störungen wie Kammerflimmern und Herzrhythmusstörungen, oft gefolgt von Herzinsuffizienz, treten häufig während der Akutphase des Herzinfarktes auf und führen nicht selten zum Herztod des Betroffenen.

Neben der Arterienverkalkung (als direkter Herzinfarkt-Ursache) haben verschiedene Risikofaktoren Einfluss auf das Entstehen eines Herzinfarktes. Dazu gehören neben dem Lebensalter und erblichen Faktoren insbesondere Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, Übergewicht, Diabetes mellitus und Bluthochdruck sowie ein erhöhter Cholesterinspiegel.

Welche Symptome weisen auf einen Herzinfarkt hin?

Ein unvermittelt auftretender Schmerz im Brustbereich, der länger als 20 Minuten dauert und sich in vielen Fällen in Arme, Schulter, Kiefer oder Oberbauch ausbreitet, wird als Leitsymptom bezeichnet. Begleiterscheinungen sind in vielen Fällen Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche. Rund 25% der Herzinfarkte hingegen verursachen keine oder nur geringe Symptome und können nur nachträglich durch eine EKG-Untersuchung nachgewiesen werden. Diese Myokardinfarkte werden auch als stille oder stumme Infarkte bezeichnet.

Welche Maßnahmen sind im Notfall zu treffen?

Wenn akute Schmerzen im Brustbereich auftreten, die nicht sofort vergehen, sollte umgehend der Notruf (112) verständigt werden. Nach der Nennung der Symptome und der Anschrift, trifft der Rettungsdienst im Regelfall nach 15 Minuten ein. Die Notfallversorgung wird von den Sanitätern sofort eingeleitet und der Patient in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert, in dem eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden kann. In der Klinik beginnt der zuständige Arzt dann sofort mit einer interventionellen kardiologischen Behandlung.

Wie Sie sich selbst verhalten sollten, wenn eine Person in Ihrem unmittelbaren Umfeld einen Herzinfarkt erleidet, erfahren Sie in unseren Verhaltenstipps.

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Herzinfarkt-Patienten werden in den Intensivstationen von Krankenhäusern betreut. Ziel der Behandlung ist die schnelle Wiederherstellung der Blutversorgung des Herzens, damit möglichst wenig Herzmuskelgewebe abstirbt. Dazu muss der Thrombus (Blutgerinnsel), der durch Verschluss der Herzarterie für den Herzinfarkt verantwortlich war, aufgelöst werden.

  • Bei einer "Lysetherapie" (Thrombolysetherapie) erfolgt die Auflösung des Blutgerinnsels durch Medikamente, die in eine Vene des Patienten gespritzt werden. Durch eine Lysetherapie gelingt es bei jedem zweiten Herzinfarkt, verstopfte Arterien innerhalb von 90 Minuten wieder durchgängig zu machen.
  • Oft wird bei akuten Herzinfarkten sofort ein Herzkatheter eingeführt, der mithilfe eines Ballons das verstopfte Gefäß erweitert ("Akut-PTCA"). Damit die Arterie durchgängig bleibt, kann ein "Stent" als Gefäßstütze eingesetzt werden. Wenn der Patient nach einer Lysetherapie nicht beschwerdefrei ist, erfolgt ggf. eine "Rescue-PTCA" (= Perkutane transluminale koronare Angioplastie).
  • Bei starker Veränderung der Herzkranzgefäße ist eine Bypass-Operation notwendig, bei der die Engstelle der Arterie durch einen Gefäßersatz überbrückt wird.
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Verhaltenstipps bei einem Herzinfarkt

Was ist zu tun, wenn Sie sich mit einer Person in einem Raum befinden, die soeben einen Herzinfarkt erleidet? Hier finden Sie wichtige Tipps, wie Sie sich im Ernstfall am besten verhalten:

Herzinfarkt

  • Überprüfen Sie, ob der Herzinfarkt-Patient Lebenszeichen von sich gibt (z. B. bei Bewusstsein ist, atmet oder sich bewegt). Wenn auch bei einer direkten Ansprache des Patienten und bei einem Rütteln an den Schultern keine Reaktionen erkennbar sind, müssen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.
  • Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung kniet sich der Helfer neben den Patienten und legt beide Hände übereinander auf den Brustkorb des Patienten. Die Herzmassage erfolgt mit ausgestreckten Armen mit 100 bis 120 Druckstößen je Minute. Nach jeweils 30 Stößen wird der Patient zweimal Mund zu Nase oder Mund zu Mund beatmet.
  • Wenn der Herzinfarkt-Patient bei Bewusstsein ist, müssen Maßnahmen zur Entlastung des Herzens ergriffen werden: Lagern Sie den Erkrankten mit erhöhtem Oberkörper oder in sitzender Position. Öffnen Sie enge Bekleidungsstücke wie Hemdkragen oder Gürtel. Sorgen Sie außerdem unbedingt für ein ruhiges Umfeld, da die Patienten oft Todesangst empfinden und Hektik für weitere Unruhe sorgt. Außerdem sollten Sie immer nahe beim Patienten bleiben und beruhigend mit ihm sprechen.

Anleitung: Erste Hilfe

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Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Herzinfarkt:

Was erhöht die Gefahr für einen Herzinfarkt?

Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Gefahr für einen Herzinfarkt. Dazu gehört zunächst das Lebensalter (Frauen ab etwa 55 Jahren, Männer ab 45 Jahren). Eine erbliche Vorbelastung kann vorliegen, wenn Geschwister oder Eltern vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten haben oder sich einer Bypass-Operation an den Herzkranzgefäßen unterziehen mussten.Durch eine gesunde Lebensweise und/oder durch Arzneimittel lassen sich Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Diabetes mellitus, Rauchen, Stress und Bewegungsmangel ausschließen oder zumindest positiv beeinflussen.

Kann es durch großen Stress zu einem Herzinfarkt kommen?

Stress erhöht den Herzschlag, so dass das Blut mit höherer Geschwindigkeit durch den Körper zirkuliert und sich die Blutgefäße ausdehnen. Dauerhafter Stress gefährdet das Herz: Studien konnten ermitteln, dass Menschen mit belastenden Berufen, einem hohen Arbeitspensum und gleichzeitig geringen Gestaltungsmöglichkeiten ein um 20 Prozent erhöhtes Herzinfarkt-Risiko aufweisen.

Vorbeugung: Schützt Aspirin wirklich vor einem Herzinfarkt?

Der in Aspirin enthaltene Wirkstoff ASS (Acetylsalicylsäure) setzt die Verklumpungswirkung von Blutplättchen herab und reduziert so die Wahrscheinlichkeit einer Verstopfung von Blutgefäßen. Dennoch raten Ärzte davon ab, dass Menschen ohne erhöhtes Herzinfarktrisiko den Wirkstoff ASS vorbeugend einnehmen: Das Herzinfarktrisiko für Gesunde gehe bei Gesunden nur leicht zurück, während andererseits die Gefahr von Nebenwirkungen (bis hin zu Blutungen im Magen-Darm-Bereich und im Gehirn) zunehme. Daher sei die vorbeugende Einnahme von ASS normalerweise nur Patienten zu empfehlen, die bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben.

Wie verhindert man einen erneuten Herzinfarkt?

Um die Gefahr eines erneuten Herzinfarktes zu verringern, sollten bestimmte Risikofaktoren gemieden und auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden: 

  • Wer nicht mehr raucht, verringert sein Herzinfarktrisiko um etwa ein Drittel. 
  • Drei Mal wöchentlich sollten für jeweils eine halbe Stunde sportliche Aktivitäten stattfinden. Herzsportgruppen unterstützen chronisch Herzkranke. 
  • Der Bauchumfang sollte bei Frauen unterhalb von 90 Zentimetern und bei Männern unterhalb von 100 Zentimetern liegen. 
  • Zu einer risikomindernden, gesunden Ernährung gehören u. a. wöchentlich 2 bis 3 Mal Meeresfisch sowie Gemüse und Obst.
  • Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck sollten konsequent behandelt werden.
  • Bestimmte Medikamente (u. a. Acetylsalicylsäure, ASS) senken das Risiko eines weiteren Herzinfarkts.

Welche Symptome treten bei einem Herzinfarkt auf?

Typische Anzeichen eines akuten Herzinfarktes sind über fünf Minuten andauernde, heftige Schmerzen oder Druckgefühle in der Brust, sich bis zur Todesangst steigernde Unruhegefühle, Blässe und kalter Schweiß sowie Übelkeit, Erbrechen und Atemnot.
Etwa ein Viertel aller Herzinfarkte bleibt allerdings unbemerkt. Solche "stummen Infarkte" treten vorwiegend bei Diabetikern und bei älteren Menschen auf.

Ist die Symptomatik des Herzinfarkts bei Frauen und Männern gleich oder gibt es hier Unterschiede?

Während Männer bei einem Herzinfarkt überwiegend Schmerzen im Brustbereich verspürt, klagen Frauen öfter über Enge- und Druckgefühle. Außerdem machen sich Herzinfarkte bei Frauen häufiger durch sogenannte "unspezifische" Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar.

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Reanimation durch Laien

Ein Elektroschock mit einem Defibrillator kann im Ernstfall Leben retten. Der genaue Ablauf sollte in Notsituationen immer eingehalten werden, da er die Überlebenschance des Betroffenen erheblich erhöht. Sollte eine bewusstlose Person gefunden werden, muss in jedem Fall ein Notruf (112) erfolgen. Teilen sie dem Notdienst ihren Standort mit und beschreiben sie die Situation. Sollte der Betroffene nicht auf Ansprechen oder Berührungen reagieren, beginnen sie umgehend mit einer Herzmassage. Verzichten sie zunächst auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Wenn ein Defibrillator vorhanden ist, kann dieser auch von einem Laien eingesetzt werden. Bringen sie die Klebeelektrode auf der Brust des Betroffenen an. Automatische Sprachanweisungen helfen Ihnen bei der richtigen Handhabung. Eine erste Diagnose kann das Gerät selbst stellen. Nach einem Sprachhinweis gibt das Gerät den notwendigen Elektroschock selbstständig ab. Der Helfer kann keinen Fehler machen, außer den, nicht zu helfen.

Viele Öffentliche Einrichtungen sind bereits mit Defibrillatoren ausgestattet. In den Münchner U-Bahnhöfen konnten seit Ende 2013 bereits 20 Menschen das Leben gerettet werden.

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Experte für Herzinfarkt in München

Dr. med. Markus Matula

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Burgstraße 7
80331 München

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