Kaffee gesund oder doch nicht
22Jun

Wie gesund ist Kaffee?

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland. Doch wie gesund ist das Getränk? Wir klären über die wichtigsten Fakten auf.

Kaffee gesund oder nicht

7 Mythen und Wahrheiten über das Heißgetränk

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland überhaupt. Statistisch betrachtet trinkt jeder Bundesbürger mehr als 160 Liter pro Jahr, was pro Kopf zwei bis drei Tassen täglich sind. Durch seinen einzigartigen Geschmack mit Hunderten Aromastoffen bei fast null Kalorien erscheint Kaffee das ideale Getränk zu sein, über das es dennoch viele Mythen und Halbwahrheiten gibt.

Im Folgenden erfahren Sie, wie sich Kaffee wirklich auf Ihre Gesundheit auswirkt und welche traditionellen Aussagen über dieses Getränk wahr sind.

1. Woher kommt die Kaffeebohne und was steckt in ihr?

Kaffeebohnen

Äthiopien als das Ursprungsland der Kaffeebohne belegt heute Platz 5 der weltweit größten Kaffeeproduzenten. Auf den Plätzen 1 bis 3 liegen Brasilien, Vietnam und Kolumbien. Obwohl Kaffee vermutlich bereits vor über 1000 Jahren „entdeckt” wurde, fand das wachmachende Heißgetränk seinen Weg erst im 16. Jahrhundert nach Europa. Seit dem ist es allerdings für viele gar nicht mehr wegzudenken.

Doch was steckt alles in der kleinen Bohne? Neben Koffein beinhaltet Kaffee über 1000 verschiedene Substanzen. Dazu gehören u.a. 80 unterschiedliche Säuren (bspw. Apfel- und Zitronensäure), Proteine, Lipide (Fette), Kohlenhydrate und Mineralstoffe, wie Magnesium und Kalzium. Für den köstlichen Duft, der beim Rösten und Aufbrühen des Kaffees entsteht, sind über 800 Aromen verantwortlich. Übrigens: Den neuesten Erkenntnissen nach dient das wachmachende Koffein der Kaffeepflanze zur Abwehr von Insekten und Schädlingen.

2. Wirkt Kaffee bei jedem Menschen gleich?

Kaffee kann nicht für jedermann als pauschal gut oder schädlich eingestuft werden. Dies entkräftet vor allem Studien aus früheren Jahrzehnten, durch die Kaffee seinen negativen und gesundheitsschädlichen Ruf erhielt. Oft wurden bei älteren Studien begleitende Lebensumstände ignoriert, beispielsweise dass Kaffeegenuss häufig mit Rauchen einherging. Eine höhere Sterblichkeit von Kaffeetrinkern konnte durch eine Vielzahl an jüngeren Studien nicht mehr nachgewiesen werden. Selbiges gilt für klassische Symptome wie Nervosität oder Herzrasen, auch wenn diese Anzeichen bei einzelnen Betroffenen auftreten. Hierbei entscheidet vorrangig, wie regelmäßig Kaffee getrunken wird.

3. Ist zu viel Kaffee ungesund?

Wie jede Speise oder jedes Getränk sollte auch Kaffee nicht in Unmengen konsumiert werden. Um einen wirklich lebensbedrohlichen Zustand zu erreichen, müssten jedoch 100 Tassen in einem Zeitraum von vier Stunden getrunken werden, wie eine aktuelle Studie nahelegt. Zu einer Überlastung des Organismus würde es jedoch genauso kommen, wenn nur eine etwas geringere Menge Wasser im gleichen Zeitraum konsumiert würde. Solange keine individuellen Symptome mit dem Kaffeegenuss in Verbindung gebracht werden, sind mehrere Tassen über den Tag verteilt also kein Problem.

4. Macht Kaffee wach und fit?

Kaffee gemahlen

Der wachmachende oder aufputschende Effekt ist den meisten Kaffeetrinkern bekannt, bewusst wird dieser am frühen Morgen ausgenutzt. Hierbei vertreibt Koffein den körpereigenen Stoff Adenosin, der für das Gefühl der Müdigkeit verantwortlich ist. Eine Gewöhnung an diesen Effekt kann eintreten, was jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Gleiches gilt für das Gegenteil: Noch nach vielen Jahren kann die anregende Wirkung über Stunden hinweg erhalten bleiben. Jeder Stoffwechsel funktioniert anders, der Effekt kann selbst noch acht Stunden nach Konsum einer Tasse Kaffee bemerkt werden. Entsprechend empfindlichen Personen ist anzuraten, nicht mehr vor der Nachtruhe zu Kaffee zu greifen. Im Durchschnitt tritt die muntermachende Wirkung 15 bis 30 Minuten nach dem Konsum ein und dauert wenige Stunden.

Bei Personen, die täglich sehr viel Kaffee konsumieren, kann ein Gewöhnungseffekt auftreten, der aufgrund der vermehrten Bildung von Adenosin-Rezeptoren stattfindet. Dennoch fühlen sich auch Viel-Trinker nach einer Tasse Kaffee wacher. Grund dafür sind in der Nacht entstandene Entzugserscheinungen bei denen sich verstärkt Adenosin gebildet hat und das matte Gefühl hervorruft.

5. Trägt Kaffee zu einer Entwässerung des Körpers bei?

Über die letzten zehn Jahre haben verschiedene Studien rund um den Globus den vermeintlichen Entwässerungseffekt von Kaffee widerlegt. Dass der Mythos überhaupt entstehen konnte, hat einen sehr einfachen Grund: Kaffee wirkt leicht harntreibend. Durch den schnellen Gang zur Toilette wird aber nicht mehr oder weniger Wasser ausgespült, als durch den Kaffee und andere Getränke aufgenommen wurde. Hierbei spielt es auch keine Rolle, wie viel Kaffee getrunken wird und ob der Körper sich an einen regelmäßigen Konsum gewöhnt hat. Wohlgemerkt: Sämtliche Studien gehen von der Wirkung auf repräsentativ ausgewählte Personengruppen aus, im Einzelfall sind alle Effekte weiterhin denkbar.

6. Hilft Kaffee bei der Reduktion von Stress?

Wer kennt es nicht: Wenn der Arbeitsalltag gerade besonders anstrengend und stressig verläuft, wird gerne zur zusätzlichen Tasse Kaffee gegriffen. Dass dieser Effekt nicht zufällig eintritt und Körper und Geist sogar bei der Stressbewältigung helfen könnte, legt eine Studie der Universität Coimbra in Portugal nahe. Im Versuch mit Mäusen zeigte sich, dass eine stressige Stimulation gelassener hingenommen wurde, wenn zuvor Kaffee über Futter oder Wasser verabreicht wurde. Die Forscher bringen dies erneut mit den Adenosin-Rezeptoren im Gehirn in Verbindung, die neben dem Gefühl von Müdigkeit auch das Stressempfinden beeinflussen. Auf dieser Ebene entsteht auch der Zusammenhang zu depressivem Verhalten des Gehirns, das sich durch den Kaffeekonsum ebenfalls verringern könnte.

7. Ist Kaffee bei Bluthochdruck-Patienten erlaubt?

Kaffee und Herz waren über Jahrzehnte hinweg ein Streitpunkt, mittlerweile sieht die Deutsche Herzstiftung das Getränk jedoch als unproblematisch an. Die Blutdruckwerte steigen im Durchschnitt nach einer Tasse Kaffee lediglich um zehn bis 20 mmHG (Torr) an. Durch einen Gewöhnungseffekt fällt dieser Anstieg oft noch geringer aus und nimmt keinen wirklichen Einfluss auf den Bluthochdruck. Ob sich mit Kaffee sogar ein positiver Beitrag zur Stärkung des Herzens leisten lässt, ist nach aktuellem Forschungsstand noch umstritten. Auch hier sollte der Einzelfall entscheiden und gut in den eigenen Körper hineingehorcht werden. Manche Bundesbürger nehmen beispielsweise ihre Herzrhythmusstörungen nach dem Kaffeekonsum eher wahr, hier ist eine Reduktion der Kaffeemenge ratsam.

Fazit: Kaffee besser als sein Ruf

Kaffee ist nach aktueller Studienlage deutlich besser als sein Ruf, der Konsum von ein oder mehreren Tassen täglich ist dem Durchschnittsbürger ohne weiteres anzuraten. Nicht nur konnte die jüngere Wissenschaft viele Mythen rund um das Heißgetränk entkräften. Vielmehr zeigen sich auf verschiedenen Gebieten positive Auswirkungen, wegen derer ein regelmäßiger Konsum von Kaffee sogar medizinisch empfohlen werden könnte. Als Freibrief für mehrere Liter Kaffee pro Tag sind die Forschungsergebnisse jedoch nicht zu verstehen. Jeder Organismus reagiert anders, wie sich nicht zuletzt bei den Auswirkungen auf Magen und Darm zeigt.

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Quellen:

www.spektrum.de/wissen/10-ueberraschende-fakten-zum-kaffee
www.spektrum.de/news/koffein-lindert-chronischen-stress
www.spektrum.de/magazin/ernaehrung-10-fakten-ueber-kaffee
www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Kaffee-Gesund-oder-ungesund
www.spiegel.de/fotostrecke/zahlen-daten-fakten-was-sie-schon-immer-ueber-kaffee-wissen-wollten-fotostrecke
www.pnas.org/content/112/25/7833.abstract

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